Eisen: Warum der Eisenbedarf nicht am Alter hängt
Der Referenzwert für Eisen unterscheidet Frauen nicht nach Alter, sondern danach, ob sie noch menstruieren: 16 Milligramm pro Tag für menstruierende Frauen, 14 Milligramm für postmenopausale Frauen, gegenüber 11 Milligramm für Männer ab 19 Jahren (DGE, Stand 2023). Die Referenzwerttabelle führt beide Werte innerhalb derselben Altersbänder, für 25 bis unter 51 Jahre und für 51 bis unter 65 Jahre. Das Alter allein legt also keinen Wert fest: eine 55-Jährige, die noch menstruiert, steht bei denselben 16 Milligramm wie eine 30-Jährige, und eine 45-Jährige, die nicht mehr menstruiert, bei 14.
Stand:
| Zielgruppe | DGE (D-A-CH), 2023 | EFSA, 2017 | NASEM (USA), 2011 |
|---|---|---|---|
| Frauen, menstruierend (prämenopausal) | 16 mg | 16 mg | 18 mg, 19 bis 50 Jahre |
| Frauen, postmenopausal | 14 mg | 11 mg | 8 mg, ab 51 Jahren |
| Männer ab 19 Jahren | 11 mg | 11 mg | 8 mg |
Die DGE-Tabelle nennt für die Altersbänder 25 bis unter 51 und 51 bis unter 65 Jahre jeweils beide Frauenwerte, prämenopausal und postmenopausal. Der EFSA-Wert für postmenopausale Frauen ist derselbe, den die Behörde für erwachsene Männer ableitet, und sie nennt den Grund: sie konnte den Bedarf dieser Gruppe nicht eigenständig beziffern und hat deshalb die Männerwerte übernommen, ausdrücklich trotz des geringeren Körpergewichts. Ihre Ableitung beruht auf einem Absorptionsmodell aus der britischen Ernährungserhebung NDNS und auf einem Ferritin-Zielwert von 30 µg/l, der ein Rechenanker für die Umrechnung von Bedarf in Zufuhr ist und keine diagnostische Schwelle. Alle drei Quellen senken den Wert für Frauen nach der Lebensmitte, jede um einen anderen Betrag und nach einem anderen Kriterium: die DGE nach dem Menstruationsstatus, die beiden anderen an einer Altersgrenze. Die US-Fachakademie macht den größten Schritt, von 18 auf 8 mg ab 51 Jahren.
| Situation | Grenzwert | Fundstelle |
|---|---|---|
| Eisenmangel, Erwachsene ohne Erkrankung (20 bis 59 und ab 60 Jahren) | unter 15 | Tabelle 1 |
| Eisenmangel bei Entzündung oder Infektion, Erwachsene | unter 70 | Empfehlung 1.2 und Tabelle 1 |
| Überladungsrisiko, menstruierende Frauen | über 150 | Empfehlung 1.3 |
| Überladungsrisiko, nicht menstruierende Frauen und Männer | über 200 | Empfehlung 1.3 |
| Überladungsrisiko, nach Geschlecht gruppiert: Frauen über 150, Männer über 200 | über 150 bzw. über 200 | Tabelle 1 |
| Weitere Abklärung nötig, Erwachsene mit bestehender Erkrankung | über 500 | Tabelle 1, Fußnote d |
Die beiden letzten Überladungszeilen stammen aus derselben Leitlinie und gruppieren unterschiedlich: die Empfehlung nach Menstruationsstatus, die Tabelle nach Geschlecht. Für eine Frau nach der Menopause ergibt das 200 an der einen und 150 an der anderen Stelle. Als gesund gilt in dieser Leitlinie eine Person mit körperlichem Wohlbefinden und ohne feststellbare Erkrankung; Ferritin allein genügt für die Beurteilung eines Überladungsrisikos ausdrücklich nicht. In Gebieten weit verbreiteter Entzündung verlangt die WHO, Ferritin gemeinsam mit den Akute-Phase-Proteinen CRP und AGP zu bestimmen und den entzündungsbedingten Anstieg zu berücksichtigen.
Der eigene Zielwert
Welcher Eisenwert gilt in der Perimenopause?
Auch gefragt: Wie viel Eisen brauche ich mit 47? · Gilt für mich schon der Wert für postmenopausale Frauen?
Der Eisenbedarf richtet sich in der Perimenopause weiterhin nach dem Menstruationsstatus. Solange Blutungen auftreten, auch unregelmäßig oder in größeren Abständen, gilt der Referenzwert für menstruierende Frauen von 16 Milligramm pro Tag. Erst wenn die Menstruation dauerhaft ausbleibt, sinkt der Referenzwert auf 14 Milligramm pro Tag. Die Referenzwerttabelle der Deutschen Gesellschaft für Ernährung führt beide Werte innerhalb desselben Altersbands, sowohl für 25 bis unter 51 Jahre als auch für 51 bis unter 65 Jahre. Das kalendarische Alter legt den Wert also nicht fest (Stand 2023).
- Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Eisen
Sinkt der Eisenbedarf mit dem Alter?
Auch gefragt: Brauchen Frauen ab 40 weniger Eisen? · Ändert sich der Eisenbedarf an einem bestimmten Geburtstag?
Nein, der Eisenbedarf sinkt nicht mit dem Alter, sondern mit dem Ende der Menstruation. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für menstruierende Frauen 16 Milligramm pro Tag und für postmenopausale Frauen 14 Milligramm, und sie führt beide Zahlen in denselben Altersbändern. Eine Frau von 55, die noch menstruiert, steht damit bei denselben 16 Milligramm wie eine Frau von 30; eine Frau von 45, bei der die Menstruation ausgeblieben ist, bei 14 Milligramm. Die Differenz von 2 Milligramm entfällt mit den monatlichen Blutverlusten (Stand 2023).
- Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Eisen
Warum ist der Eisenbedarf von Frauen höher als der von Männern?
Auch gefragt: Wie viel Eisen brauchen Männer? · Warum unterscheiden sich die Referenzwerte nach Geschlecht?
Der Eisenbedarf menstruierender Frauen liegt mit 16 Milligramm pro Tag über dem Wert für Männer ab 19 Jahren, der bei 11 Milligramm liegt. Grund sind die regelmäßigen Blutverluste, die dem Körper Eisen entziehen und ersetzt werden müssen. Genau deshalb sinkt der Referenzwert für Frauen nach der Menopause auf 14 Milligramm: mit den Blutungen entfällt der zusätzliche Bedarf. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung differenziert entsprechend nach Menstruationsstatus und nicht nach Alter (Stand 2023).
- Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Eisen
Warum nennen deutsche und europäische Behörden nach der Menopause verschiedene Eisenwerte?
Auch gefragt: Welcher Wert gilt in der EU? · Warum steht in einer Quelle 14 und in einer anderen 11 Milligramm?
Der Eisen-Referenzwert für postmenopausale Frauen fällt je nach Behörde unterschiedlich aus: die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt 14 Milligramm pro Tag, die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit 11 Milligramm, also denselben Wert wie für Männer. Für menstruierende Frauen sind sich beide einig und nennen 16 Milligramm. Der Grund steht in der EFSA-Quelle selbst: die Behörde konnte den Eisenbedarf postmenopausaler Frauen nicht eigenständig beziffern und hat deshalb die für erwachsene Männer abgeleiteten Werte auf sie angewendet, ausdrücklich trotz des geringeren Körpergewichts (Stand 2017). Der Unterschied ist damit keine Meinungsverschiedenheit über den Körper, sondern eine andere Entscheidung im Umgang mit einer Lücke in der Datenlage. Beide Werte gelten weiter und werden deshalb nebeneinander genannt statt zu einem Mittelwert verrechnet.
- Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Eisen
- Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, Dietary Reference Values for nutrients
Einen Ferritinwert einordnen
Ab welchem Ferritinwert liegt bei einer Entzündung ein Eisenmangel vor?
Auch gefragt: Welcher Ferritinwert gilt bei einem Infekt? · Warum nennt mein Labor einen anderen Grenzwert?
Ferritin unter 70 Mikrogramm pro Liter kann bei Erwachsenen mit einer Entzündung oder Infektion auf einen Eisenmangel hinweisen. Diesen Schwellenwert nennt die Weltgesundheitsorganisation in ihrer Leitlinie von 2020, die die Empfehlungen der gemeinsamen Veröffentlichung von WHO und CDC aus dem Jahr 2004 ausdrücklich ersetzt. Er liegt höher als der Wert für Gesunde, weil Ferritin bei Entzündung ansteigt. Sekundärquellen, die für Erwachsene mit Entzündung einen niedrigeren Grenzwert nennen, beziehen sich auf die ersetzte Fassung.
- Quellen
- WHO-Leitlinie zur Verwendung von Ferritinkonzentrationen für die Beurteilung des Eisenstatus
Ab welchem Ferritinwert liegt ohne Entzündung ein Eisenmangel vor?
Auch gefragt: Welcher Ferritinwert ist zu niedrig? · Was bedeutet ein Ferritinwert von 12?
Ferritin unter 15 Mikrogramm pro Liter gilt bei Erwachsenen ohne Entzündung als Hinweis auf einen Eisenmangel. Die Weltgesundheitsorganisation nennt diesen Wert in ihrer Leitlinie von 2020 sowohl für Erwachsene von 20 bis 59 Jahren als auch für Menschen ab 60, sodass er über die gesamte Lebensmitte gilt. Er setzt allerdings voraus, dass keine Erkrankung vorliegt: die Leitlinie definiert eine gesunde Person als jemanden mit körperlichem Wohlbefinden und ohne feststellbare Erkrankungen. Liegt eine Entzündung oder Infektion vor, gilt stattdessen der höhere Wert von 70 Mikrogramm pro Liter.
- Quellen
- WHO-Leitlinie zur Verwendung von Ferritinkonzentrationen für die Beurteilung des Eisenstatus
Kann ein normaler Ferritinwert einen Eisenmangel verdecken?
Auch gefragt: Warum ist mein Ferritin normal, obwohl ich erschöpft bin? · Reicht ein Ferritinwert allein für die Beurteilung?
Ja, ein unauffälliger Ferritinwert kann einen Eisenmangel verdecken. Ferritin ist ein Akute-Phase-Protein und steigt bei einer Entzündung an, sodass der Messwert höher ausfällt als der tatsächliche Eisenspeicher. Die Weltgesundheitsorganisation verlangt deshalb, Ferritin dort, wo Entzündungen weit verbreitet sind, gemeinsam mit zwei Akute-Phase-Proteinen zu bestimmen, CRP und AGP, und den entzündungsbedingten Anstieg bei der Beurteilung einzurechnen. Ein einzelner Ferritinwert ohne diesen Kontext trägt die Aussage nicht.
- Quellen
- WHO-Leitlinie zur Verwendung von Ferritinkonzentrationen für die Beurteilung des Eisenstatus
Was bedeutet ein hoher Ferritinwert?
Auch gefragt: Kann zu viel Eisen im Körper sein? · Ab welchem Ferritinwert besteht ein Risiko für Eisenüberladung?
Ferritin kann auf ein Risiko für eine Eisenüberladung hinweisen, und die Leitlinie der Weltgesundheitsorganisation nennt dafür zwei Einteilungen, die für postmenopausale Frauen auseinandergehen. Die Empfehlung im Text nennt 150 Mikrogramm pro Liter für menstruierende Frauen und 200 für Männer und nicht menstruierende Frauen; die Tabelle derselben Leitlinie gruppiert dagegen nach Geschlecht und nennt 150 für Frauen und 200 für Männer. Wer nicht mehr menstruiert, findet also 200 an der einen und 150 an der anderen Stelle. Beide Angaben stehen unverändert in derselben Quelle. Unabhängig davon gilt: Ferritin allein genügt nicht, erhöhte Werte gehören klinisch und labormedizinisch abgeklärt, und bei einer bestehenden Erkrankung nennt die Leitlinie 500 Mikrogramm pro Liter als Wert, der eine weitere Abklärung nötig macht.
- Quellen
- WHO-Leitlinie zur Verwendung von Ferritinkonzentrationen für die Beurteilung des Eisenstatus
Präparate und Sicherheitsgrenzen
Ist es sinnvoll, Eisen vorsorglich zu ergänzen?
Auch gefragt: Sollte ich ohne Bluttest Eisen einnehmen? · Wer sollte vor einer Eisensupplementierung ärztlichen Rat einholen?
Nein, Eisen sollte nicht vorsorglich ergänzt werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 6 Milligramm Eisen pro Tag und rät Männern, postmenopausalen Frauen und Schwangeren ausdrücklich, eine Eisensupplementierung vorab ärztlich abklären zu lassen. Grund ist das erhöhte Risiko einer Eisenüberladung in diesen Gruppen. Ein Eisenmangel zeigt sich nicht am Befinden; festgestellt wird er über eine Blutuntersuchung.
- Quellen
- Bundesinstitut für Risikobewertung, Höchstmengenempfehlungen für Nahrungsergänzungsmittel
Warum liegt die Höchstmenge für Präparate unter dem Referenzwert?
Auch gefragt: Wieso darf ein Präparat nur 6 mg Eisen liefern, wenn 16 mg empfohlen sind? · Ist die Höchstmenge eine Zufuhrempfehlung?
Die Höchstmenge für Eisen aus Nahrungsergänzungsmitteln beantwortet eine andere Frage als der Referenzwert und ist deshalb nicht mit ihm vergleichbar. Der Referenzwert von 16 Milligramm pro Tag beschreibt den Bedarf über die gesamte Ernährung, also über alle Mahlzeiten hinweg. Die 6 Milligramm des Bundesinstituts für Risikobewertung sind eine Sicherheitsobergrenze für das, was zusätzlich über ein Präparat vertretbar ist. Beide Zahlen sind offiziell und stehen nicht im Widerspruch: die eine nennt einen Bedarf, die andere eine Grenze.
- Quellen
- Bundesinstitut für Risikobewertung, Höchstmengenempfehlungen für Nahrungsergänzungsmittel
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr: Eisen